Ein Beitrag zur "Rente mit 67"
von Daniela Harsch
Es gab kaum ein Thema, das in den vergangenen Monaten für solche kontroverse Diskussionen in Partei und Bevölkerung sorgte, wie die schrittweise Anpassung des Renteneintrittsalters. Kurz: „Die Rente mit 67“. Ein Thema, das Genossinnen und Genossen an Info-Ständen verunsicherte und so manchen Bundestagsabgeordneten zu der schützenden Aussage trieb, man sei ja schon immer dagegen gewesen.
Dieser Beitrag soll die Intention der „Rente mit 67“ darlegen und eine Diskussionsgrundlage bilden, für das, was vielfach als „notwendige Korrektur“ bezeichnet wird.
Wer ist von der Rente mit 67 betroffen?
In einem ersten Schritt gilt zu klären, wer von der Rente mit 67 eigentlich betroffen ist. Derzeit wird die so genannte Regelaltersgrenze mit der Vollendung des 65. Lebensjahres erreicht. Ab dem Jahr 2012 wird diese Grenze über den Zeitraum von 17 Jahren schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Diese Anhebung erfolgt in Monatsschritten: Ab dem Jahrgang 1947 um einen Monat pro Jahr und ab dem Jahrgang 1959 um zwei Monate pro Jahr. Wer also im Jahr 1947 geboren ist, wird mit 65 Jahren und einem Monat in Rente gehen können. Nur wer ab dem Jahr 1964 geboren ist, wird von der Anhebung der Altersgrenze voll betroffen sein.
Welche Ausnahmen gelten?
Die Diskussion um die Ungerechtigkeit der Reform zielt zumeist auf das Renteneintrittsalter derjenigen ab, die in ihrem Beruf oftmals schwere körperliche Arbeit verrichten und schon in jungen Jahren berufstätig waren.
Für diesen Personenkreis gilt: Wer 45 Jahre Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung entrichtet hat, kann auch weiterhin abschlagsfrei mit 65 Jahren in Rente gehen.
Ein wichtiger Fortschritt ist, dass beispielsweise auch Zeiten der Pflege von Angehörigen oder der Kindererziehung (bis zum 10. Lebensjahr des Kindes) angerechnet werden. Dies ist vor allem für Frauen ein großer Fortschritt. Kritisch kann man allerdings anmerken, dass diese Zeiten nur dann angerechnet werden, wenn insgesamt 45 Beitragsjahre erreicht werden.
Diskussionsbedarf und neue Wege
Natürlich kann argumentiert werden, dass viele Menschen auch das Renteneintrittsalter von 65 Jahren nicht gesund erreichen. Bei diesem Beitrag handelt es sich jedoch um einen Beitrag zu der Ausgestaltung der „Rente mit 67“. Daher gilt es zu verdeutlichen, dass Menschen, die schon in jungen Jahren in einen Beruf eintreten, der schwere körperliche Arbeit abverlangt, durch die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre nicht schlechter gestellt werden. Dies ändert aber nichts an der Grundproblematik.
Es ist daher aber dringend notwendig, eine Debatte über die Ausgestaltung der Erwerbsminderungsrente anzustoßen. Wir müssen Menschen, die ihren Beruf aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht mehr ausüben könne, eine Perspektive bieten.
Auch brauchen wir eine Diskussion über ein Lebensarbeitszeitmodell, das beispielsweise einen abschlagsfreien Eintritt in die Rente generell nach 45 Beitragsjahren ermöglicht – ohne Koppelung an ein festgelegtes Alter.
Zu einer ehrlichen Debatte gehört aber auch, dass beispielsweise im Jahr 2004 nur etwa 20 Prozent derjenigen, die in Rente gingen, 45 oder mehr Beitragsjahre aus Beschäftigung, Pflege oder Kindererziehung vorweisen konnten. Der Anteil der Männer ist hier mit 30 Prozent deutlich höher als der Anteil von Frauen mit etwa 10 Prozent.
Warum ist die Rente mit 67 ein richtiger Schritt?
Unsere Gesellschaft altert. Die demographische Entwicklung ist ein Fakt, dem wir uns stellen müssen, wenn wir wollen, dass diese Gesellschaft auch in Zukunft solidarisch organisiert ist. Die demographische Entwicklung hat vor allem zwei Folgen:
Dem zunehmenden Anteil älterer Menschen stehen immer weniger junge Menschen gegenüber. Während das Verhältnis der über 65-Jährigen zu den 20- bis 64-Jährigen im Jahr 2005 noch etwa 1:3,2 betrug, wird sich dies im Jahr 2030 auf etwa 1:2 verändern.
Auch werden die Menschen erfreulicherweise immer älter. Dies führt natürlich auch zu einer immer längeren Bezugsdauer der Rente.
Wir müssen Lösungen finden, die Generationen nicht gegeneinander ausspielen und die den Menschen Sicherheit geben! Die "Rente mit 67" ist ein richtiger Schritt von vielen Schritten, die wir noch zu gehen haben. Wir brauchen ein Lebensarbeitszeitmodell, das den Menschen, die bereits in jungen Jahren Beiträge leisten und die oftmals harte körperliche Arbeit verrichten, einen früheren abschlagsfreien Renteneintritt ermöglicht. Und wir brauchen neue Konzepte für die Menschen, die schon vor dem Renteneintritt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können!


